Gong Fu Cha in der Praxis
Hier geht es um eine heute verbreitete Zubereitung in kleinen Gefäßen: Dieselben Blätter werden mehrfach aufgegossen, der fertige Tee jeweils abgegossen. Regionale Traditionen reichen über diese Technik hinaus: Gong Fu Cha in Chaozhou umfasst beispielsweise auch eigene Formen des Zusammenseins und des Servierens.
Ein überschaubarer Anfang#
Wählen Sie einen Tee und ein Gefäß, das Sie sicher handhaben können. Bereiten Sie einen Aufguss zu, probieren Sie ihn und überlegen Sie, was Sie beim nächsten verändern möchten. Dafür brauchen Sie weder ein vollständiges Teeservice noch eine festgelegte Zeremonie.
Stellen Sie Wasserkocher, Aufgussgefäß und eine ausreichend große Tasse bereit. Eine kleine Waage und ein Timer helfen, ein gelungenes Ergebnis zu wiederholen. Ein Ausgießkännchen ist beim Teilen praktisch; allein können Sie direkt in eine passende Tasse abgießen. Ein zusätzliches Sieb ist optional.
Ein schlichter, glasierter Gaiwan ist eine Möglichkeit. Wenn Schale und Deckel nicht bequem in der Hand liegen, verwenden Sie eine Kanne mit Griff oder einen herausnehmbaren Siebeinsatz. Entscheidend ist, dass Sie die Blätter gut vom fertigen Tee trennen können. Auch der Teeautor Leo Kwan berücksichtigt bei der Auswahl eines Gaiwans ausdrücklich Handgröße und sichere, bequeme Handhabung.
12Erst den Handgriff üben#
Stellen Sie die Gefäße dicht genug nebeneinander auf eine stabile Unterlage. Üben Sie das Füllen und Abgießen zunächst mit kühlem Wasser. Passt der gesamte Aufguss in die Tasse? Bleibt der Deckel sicher an seinem Platz, ohne dass Sie die Hand verkrampfen?
Beim Gaiwan lässt ein kleiner Spalt zwischen Schale und Deckel den Tee hindurch und hält die meisten Blätter zurück. Füllen Sie nicht bis zum Rand. Übernehmen Sie keinen Griff, bei dem Ihre Finger an heiße Flächen geraten. Wird das Gefäß unangenehm heiß, setzen Sie es sicher ab. Ein anderes Gefäß kann besser zu Ihrer Hand passen. Diese Hinweise sind praktische Übungsvorschläge, keine vorgeschriebene traditionelle Grifftechnik.
Was die Mengenangaben bedeuten#
Notieren Sie das Gewicht der trockenen Blätter und die tatsächlich zugegebene Wassermenge getrennt vom angegebenen Fassungsvermögen des Gefäßes. „100 ml Fassungsvermögen“ kann die Füllung bis zum Rand meinen. Mit Blättern im Gefäß und etwas Abstand zum Rand sind damit nicht automatisch 100 ml Aufgusswasser gemeint. Auch die später abgegossene Teemenge ist nicht dasselbe wie die zugegebene Wassermenge.
Lernen Sie mit einem Messbecher Ihre angenehme Füllhöhe kennen. Eine möglichst gleichbleibende Füllhöhe hilft im Alltag. Wenn sich die Blätter öffnen, garantiert dieselbe Füllhöhe aber nicht dieselbe zugegebene Wassermenge. Messen Sie das Wasser, wenn Sie das Verhältnis von Blattgewicht zu Wasser konstant halten möchten. Ein Löffel oder eine halb gefüllte Kanne lässt sich nicht allgemein in Gramm umrechnen: Gerollte, offene und gebrochene Blätter benötigen unterschiedlich viel Platz.
Nehmen Sie eine Anleitung für den konkreten Tee mit Angabe des Gefäßes oder der Wassermenge als Ausgangspunkt. Auch Händlerhinweise können helfen, solange ihr Geltungsbereich klar bleibt. Der Leitfaden zur Zubereitung enthält beispielsweise ausdrücklich auf Wuyi-Felsentee bezogene Vorschläge. Mischen Sie nicht unbemerkt die Blattmenge aus einer Anleitung mit der Ziehzeit aus einer anderen.
Klären Sie auch, wann die Zeit beginnt und endet. Beginn und Ende des Eingießens sowie Beginn und Ende des Abgießens sind verschiedene Zeitpunkte. Auch bei einem kurzen Aufguss stehen die Blätter während des Ein- und Abgießens mit Wasser in Kontakt. Die Anleitung von Wang De Chuan zählt beispielsweise ab Beginn des Eingießens. Notieren Sie Ihre Zeitkonvention und ungefähr, wie lange das Abgießen dauert.
34Probieren und gezielt verändern#
Messen Sie die gewählte Teemenge ab und erhitzen Sie das Wasser auf die gewählte Temperatur. Falls die Anleitung Vorwärmen vorsieht, gießen Sie dieses Wasser vor dem eigentlichen Aufguss ab. Gießen Sie das Wasser gleichmäßig ein, halten Sie sich an die gewählte Zeitmessung und Ziehzeit und gießen Sie den fertigen Tee anschließend ruhig von den Blättern ab. Versuchen Sie nicht, durch Schütteln noch den letzten Tropfen herauszuholen.
Für mehrere Personen können Sie den Aufguss zunächst im Ausgießkännchen sammeln und dann verteilen. So bekommen alle einen vergleichbar gemischten Tee. Lassen Sie ihn vor dem Probieren ausreichend abkühlen. Fragen Sie sich: Ist die Stärke angenehm? Dominiert etwas Unangenehmes? Was hat sich seit dem letzten Aufguss verändert? Heller Tee ist nicht automatisch schwach, dunkler Tee nicht automatisch stark. Beurteilen Sie neben der Farbe auch den Geschmack. Lassen Sie sich zwischen den Aufgüssen genügend Zeit zum Trinken; eine feste Zahl von Runden müssen Sie nicht erreichen.
Verlängern Sie nicht automatisch jeden Aufguss. Floating Leaves beschreibt für seine gerollten Oolongs kürzere zweite Aufgüsse, wenn sich die Blätter geöffnet haben. Bei offenblättrigen Tees wie Baozhong kann nach Aussage desselben Teehauses dagegen der erste Aufguss kürzer als der zweite sein. Auch mehrere Anleitungen von Wang De Chuan sehen eine kürzere zweite Ziehzeit vor. Das sind Beispiele aus der jeweiligen Praxis, keine Regel für jeden Oolong und kein genaues Rezept für Ihren Tee.
254Wenn ein Aufguss nicht gelingt#
Das sind Vorschläge zur Verbesserung Ihres Aufgusses, keine Diagnosen der Teequalität. Die Blätter verändern sich von Aufguss zu Aufguss. Ein besserer späterer Aufguss zeigt deshalb noch nicht, dass allein Ihre Änderung dafür verantwortlich war. Für einen genaueren Vergleich verwenden Sie Portionen desselben, noch nicht aufgegossenen Tees mit gleichem Trockengewicht und halten die übrigen Bedingungen möglichst gleich.
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| Was auffällt | Was Sie prüfen können | Ein nächster Versuch |
|---|---|---|
| Mehr Bitterkeit als angenehm | Dauerte der Kontakt länger als geplant? Wurde das Abgießen langsamer? | Den nächsten Aufguss kürzen. Bleibt die ganze Teerunde zu konzentriert, beim nächsten Mal mit noch nicht aufgegossenen Blättern weniger Tee verwenden. |
| Trockenes, raues Mundgefühl | Adstringenz von bitterem Geschmack unterscheiden; nicht beides nur „stark“ nennen. | Kontaktzeit verkürzen und prüfen, ob Mundgefühl und Geschmack gemeinsam angenehmer werden. |
| Anfangs dünner Geschmack | Sind gerollte Blätter oder ein gepresstes Stück noch kaum geöffnet? War die Wassermenge größer als geplant? | Vor dem Nachlegen von Teeblättern zunächst länger aufgießen. Blattform neben dem Gewicht notieren. |
| Flacher oder ungewohnter Geschmack | Wasser allein probieren; Gefäß auf Geruch prüfen. | Eine neue Teerunde mit noch nicht aufgegossenem Tee und nur einer veränderten Ausgangsbedingung vergleichen. Mehr Wärme oder mehr Tee löst nicht jedes Problem. |
| Zu heiß zum Probieren | Zubereitungs- und Trinktemperatur sind verschiedene Entscheidungen. | Den abgegossenen Tee abkühlen lassen. Nicht allein wegen eines zu heißen ersten Schlucks das Rezept ändern. |
| Die Tassen unterscheiden sich | Wurden sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten direkt aus dem Aufgussgefäß gefüllt? | Den nächsten Aufguss im Ausgießkännchen sammeln, dann verteilen. |
| Abgießen stockt oder ist blockiert | Blätter oder Bruchstücke könnten die Öffnung verlegen. | Vor dem Korrigieren absetzen. Nicht mit Kraft an heißem Deckel oder Ausguss arbeiten. Bei anhaltenden Schwierigkeiten ein anderes Gefäß verwenden. |
Auf den Tee achten, nicht nur auf seine Kategorie#
Notieren Sie auch, ob der Tee gerollt, offenblättrig oder gepresst ist. Die Blattform gibt Anlass, das Öffnen genauer zu beobachten; sie beweist nicht, dass eine bestimmte Temperatur nötig ist. Alle sechs Teekategorien umfassen unterschiedliche Tees; keine davon lässt sich vollständig mit einem einzigen Gong-Fu-Rezept abdecken. Weitere Orientierung und Grenzen der Forschung erläutert der Leitfaden zur Zubereitung.
Ein vorbereitender Spülaufguss ist eine eigene Entscheidung. Manche verwerfen einen ersten kurzen Aufguss, andere trinken ihn mit. Floating Leaves lässt den Spülaufguss für seine eigenen Tees meist weg. Überlegen Sie, welchem Zweck er in Ihrer Teerunde dienen soll, und notieren Sie ihn, damit die folgenden Aufgüsse nachvollziehbar bleiben. Ein kurzes Spülen beweist weder die Sicherheit eines Tees noch eine zuverlässige Entfernung von Verunreinigungen.
5Mit einer nützlichen Notiz abschließen#
Notieren Sie Tee, Blattform, Trockengewicht, zugegebenes Wasser, Gefäß, Temperatureinstellung und Zeitkonvention sowie die Änderung, die Sie beim nächsten Mal versuchen möchten. Halten Sie eine nützliche Beobachtung fest: etwa „zweiter Aufguss zu trocken im Mund; nächstes Mal kürzer“. Eine solche kurze Notiz hilft mehr als eine lange Sammlung eindrucksvoller Geschmackswörter. Entfernen Sie nach dem Aufbrühen die Teeblätter und reinigen Sie das Teegeschirr nach den Herstellerhinweisen. Lassen Sie alle Teile vor dem Wegräumen trocknen.
Sie lernen nicht, eine Abfolge fehlerfrei vorzuführen. Sie lernen, genauer wahrzunehmen und die nächste Entscheidung bewusster zu treffen.